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Auf einen Tango mit dem Bike

Mountainbikereise durch Patagoniens Naturparadies.

Biken in PatagonienVulkane haben eine geheimnisvolle Aura. Mein Lieblingsvulkan, der Lanin, zieht mich magisch an. Ich liebe es, mich ihm auf zwei Rädern zu nähern. Stolz steht er da mit seiner schneeweissen Kappe, wie ein D inosaurier taucht er plötzlich zwischen dem Pampasgras auf. Jedes Mal, wenn ich mich in seine Nähe begebe, kommt mir diese argentinische Indianerlegende in den Sinn:

Vor vielen Jahren lebte Pillan, der Gott des Schlechten auf dem Gipfel des Vulkans Lanin.

Er war ein Freund des Natur-Gottes und der Göttin der Wahrheit. Eines Nachts jagten die Jäger des Indianerstammes Huanquimil einheimische Hirsche, die Huemuls. Die Indios ernährten sich von seinem Fleisch und kleideten sich mit seinem Fell. Ohne es zu bemerken, kamen sie bei der Jagd dem Gipfel des Lanins sehr nahe.

Als dies Pillan bemerkte, veranlasste er ein grosses Gewitter. Der Vulkan Lanin begann Lava zu spucken, Rauch stiess aus seinem Krater, Flammen schossen aus ihm heraus und die Asche fiel auf die Landschaft.

Die Jäger befragten den Schamanen ihres Stammes, was sie machen könnten, um Pillan zu besänftigen. Nach einigen Tagen antwortete dieser, sie müssten dem Berg die wunderschöne, allseits begehrte, älteste Tochter des Häuptlings Namens Huilefun opfern. Der verzweifelte Häuptling konnte sich nicht dagegen wehren.

Ihr Anvertrauter, der junge und starke Quechuan wurde damit beauftragt, Huilefun auf den Berg zu tragen. Die junge Prinzessin beklagte sich nicht, als Quechuan sie bei starkem Wind auf der Bergspitze mit gebrochenem Herzen verliess.

Plötzlich sah sie einen majestätischen Kondor herauffliegen, dessen Augen wie Feuerkugeln leuchteten. Der Kondor nahm die Prinzessin in seine Krallen, stieg mit ihr immer höher und höher hinauf und liess sie in den rauchenden Krater hinunterfallen.

Auf einmal bedeckten grosse Wolken den Himmel und dicke Schneeflocken fielen auf den Gipfel des Vulkans und überzogen ihn mit einer Schneeschicht. Die Seele von Huilefun beruhigte den Gott Pillan für immer und ewig.

Seither ist der Vulkan Lanin erloschen und sein Feuer brodelt nur noch im tiefen Innern, des mit einer schneeweisen Mütze bedeckten Vulkans. Seither ist der Huemul Hirsch ein geschütztes Tier in Patagonien.

Es ist äusserst selten, dass ein Mensch einen Huemul sieht. Die Hirsche sind sehr scheue Tiere, und man bekommt sie selten zu Gesicht. Doch ich hatte das Glück einmal einen Huemul zu sehen. Ich fuhr mit dem Bike über den traumhaft schönen Paso Cordoba, an dem eine gut versteckte Höhle mit indianischen Felszeichnungen liegt. Ein einheimischer Gaucho hat sie mir einmal gezeigt. Dort begegneten wir dem Huemul. Die Einheimischen sagen, dass es Glück bringt, wenn man einen Hirsch sieht.

Biken in PatagonienIn Patagonien kommt es mir vor, als wäre die Welt vor 150 Jahren stehen geblieben. Ich tauche ein in die Steppenlandschaft. Wenn ich am kristallklaren Trafulsee vorbei radle, kann ich mir nicht vorstellen, dass hier vor tausenden von Jahren einmal ein Gletscher lag. Jetzt weiden am Ufer einige Kühe und Guanakos (Stammform des Lamas) und beim grossen Felsen am See leben zwei alte Kondorpaare, die dort jeweils ihre Jungen aufziehen. Die ersten Flugstunden sind für die jungen Kondore ein gefährliches Abenteuer. Es bleibt ihnen keine Wahl, als sich aus dem warmen Nest in die Tiefe zu stürzen und knapp über dem See ihre breiten Flügel auszuspannen. Stundenlang kann ich ihren Flügen zuschauen und genau so neugierig sind die Vögel selber. Oft fliegen sie einem nach, wenn man mit dem Bike unterwegs ist. Riesige Schatten kreuzen plötzlich den Trail.

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